Presse

Echo-Artikel: „Zum Wohnen, Arbeiten und für Politik und Kultur“

Neckar5: Aktionsbündnis legt der Stadt ein Konzept für ein unabhängiges Zentrum vor

Das Aktionsbündnis Neckar5, benannt nach dem Haus, das die Mitglieder im Juni 2010 besetzt hatten, um auf Leerstand in Darmstadt aufmerksam zu machen und ihrer kapitalismuskritischen Forderung nach kostenlosem Wohnraum für alle Nachdruck zu verleihen, hat der Stadt ein Konzept für ein unabhängiges Zentrum vorgelegt. Dies war der Kompromiss, auf den sich Stadt und Aktionsbündnis einigten, damit die Stadt ihre Strafanzeige wegen der Besetzung eines weiteren Hauses in der Heidelberger Straße 148 vergangenen September zurückzog.

Da die Abgabe des Konzepts bei der Stadt in die Zeit der Dezernentenwechsel fiel, hat das Aktionsbündnis noch keine Reaktion erfahren. Das sei durchaus verständlich, sagen Tim und Achim, zwei Sprecher der fünfzehn- bis zwanzigköpfigen Gruppe. So langsam sei es aber mal an der Zeit.
Kernpunkt ist Wohnraum für die Mitglieder, die sich selbst verwalten wollen und dafür keine hierarchischen Strukturen wie einen Verein mit Vorsitzendem und Vorstand gründen wollen. Die Gruppe hält die kommerzielle Verwertung von existenziell notwendigem Wohnraum für ebenso unmoralisch wie die Nichtnutzung bestehender Objekte.
Da sie niemand anderem seinen Platz wegnehmen wollen, kommt für sie eine Beteiligung an der künftigen Nutzung der Konversionsflächen nicht infrage. „Wir wollen Lücken füllen“, sagt Achim, „es gibt Leerstand und dagegen wollen wir angehen.“ Tim ergänzt, dass es auch zu lange dauern würde, bis die Konversionspläne tatsächlich in die Tat umgesetzt würden. Außerdem läge das politisch, soziale und kulturelle Zentrum, so wie es ihnen vorschwebt, idealerweise nicht mitten in einem Wohngebiet.
Einen Raumbedarfsplan sucht man im Konzept vergebens. „Wir wollen flexibel bleiben und das ergibt sich letztlich aus dem Gebäude“, sagt Tim. Neben dem Platz zum Wohnen müsste das Zentrum zumindest einen großen Raum für Veranstaltungen haben und eine größere Küche. Es müsste zudem gut erreichbar und dürfte nicht zu abgelegen sein. Ideal wären zusätzliche Räume für Bandproben und Werkstätten. „Aber“, sagt Achim, „je mehr man haben will, desto unwahrscheinlicher ist es, dass sich etwas Geeignetes findet.“
Die Kombination aus Wohnen, Arbeiten, Kultur, Politik und Soziales gibt es bislang in Darmstadt nicht. Zwar tagen auch in der Oetinger Villa linksgerichtete Gruppen – aber gewohnt werden kann dort nicht. Und die Villa ist schon jetzt voll.
Das Aktionsbündnis jedenfalls sieht seinen Teil der Hausaufgaben als erfüllt an. Tim: „Jetzt muss die Stadt auf das Konzept reagieren.“

Quelle: http://www.echo-online.de/region/darmstadt/Zum-Wohnen-Arbeiten-und-fuer-Politik-und-Kultur;art1231,2017818

ECHO-ARTIKEL: „Stadt zieht Anzeige gegen Hausbesetzer zurück“

Heidelberger 148: Keine Anklagen wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung

DARMSTADT.

Ordnungsdezernent Dieter Wenzel hat heute die Strafanzeige wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung gegen die Hausbesetzer zurückgezogen. Die Strafanzeige war am Samstag vor zwei Wochen bei der polizeilichen Räumung des Hauses in der Heidelberger Straße 148 mündlich ausgesprochen worden. Aus politischen Kreisen hieß es, mit der Strafanzeige habe die Stadt dem Bieter für das seit Jahren leerstehende städtische Asylbewerberheim das Signal geben wollen, dass die Stadt weiterhin ernsthaft an Verhandlungen interessiert sei.

Ordnungsdezernent Dieter Wenzel und Sozialdezernent Jochen Partsch hatten den Besetzern in einem Offenen Brief angekündigt, bei Gesprächsbereitschaft die Anzeige zurückzuziehen. Das war für die Hausbesetzer die Bedingung für die Aufnahme von weiteren Gesprächen, um den Dezernenten auf Augenhöhe und nicht unter der Eindruck drohender strafrechtlicher Sanktionen begegnen zu können.

Wie berichtet, wurden bei der Räumung 28 junge Leute vorübergehend festgenommen und aufs Polizeipräsidium gebracht. Bereits im Juni war von den jungen Leuten ein leerstehendes Haus in der Neckarstraße 5 besetzt worden.

Quelle: http://www.echo-online.de/suedhessen/darmstadt/Stadt-zieht-Anzeige-gegen-Hausbesetzer-zurueck;art1231,1252475

Echo-Artikel: „Hausbesetzer beantworten Offenen Brief der Stadt“

Gesprächsbereitschaft trotz Skepsis – Voraussetzung ist allerdings die Rücknahme der Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung

Wie bereits angekündigt, haben die Besetzer eines städtischen leerstehenden Asylbewerberheims in der Heidelberger Straße Freitagnacht den Offenen Brief der Stadt beantwortet. Darin üben sie zum einen grundsätzlich Kritik am Kapitalismus, räumen aber ein, dass sie »zumindest vorerst« mit den gegebenen Verhältnissen leben müssten und deswegen doch gesprächsbereit seien – auch, wenn sie sich von diesem Gespräch »ziemlich wenig« erhofften.

Sie schreiben, demnächst Nutzungskonzepte nicht nur für das Gebäude in der Heidelberger Straße, sondern auch für das im Juni besetzte Haus in der Neckarstraße 5 vorlegen zu wollen. Dies könne »als Grundlage für ein Angebot eines Ersatzobjektes dienen«. Allerdings sei die Voraussetzung für eine weitere Zusammenarbeit die bedingungslose Rücknahme der Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung, die die beiden Dezernenten Jochen Partsch und Dieter Wenzel am vergangenen Samstag gestellt hatten: Grundlage für die Räumung des Hauses durch die Polizei.

Wie berichtet, hatten Sozialdezernent Partsch und Bau- und Ordnungsdezernent Wenzel in dem Offenen Brief angeboten, die Gruppe könne sich mit einem Konzept an dem »bürgerschaftlichen und planerischen Prozess zur Nutzung und Schaffung von neuem Wohnraum einbringen«. Dann sei die Stadt bereit, »die Anzeigen gegen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Hausbesetzung und eine weitere Strafverfolgung von unserer Seite aus zurückzuziehen«. Die Duldung einer Besetzung sei »ungerecht gegenüber den geplanten Wohnprojekten in Darmstadt«.

Den Besetzern dauert dieser Planungsprozess zu lange. »Zudem sehen wir nicht ein, wieso wir mit den anderen Initiativen in Konkurrenz treten sollten, besonders dann nicht, wenn es auch andere Gebäude außerhalb der Konversionsflächen gibt, in denen wir unser Projekt ebenso gut verwirklichen könnten«, heißt es in der Antwort.

Bericht vom Hessischem Rundfunk

Nahe der Darmstädter Rennbahn

Polizei verjagt Hausbesetzer

Eine Gruppe von Autonomen hat in Darmstadt ein leer stehendes Gebäude besetzt. Nachdem die Stadt am Samstag die Hausbesetzer zum Verlassen des Gebäudes aufgerufen hatte, schritt die Polizei ein und stürmte das Haus.

Nach Angaben der Polizei befanden sich 28 Personen in dem Haus. Sie hatten sich mit Lebensmittelvorräten eingedeckt und offenbar auf einen längeren Aufenthalt eingestellt. Die Hausbesetzer wollten nach eigener Darstellung Platz für alternative Kultur schaffen. (mehr…)

Bericht aus dem Echo zur Räumung der Heildeberger Straße am 25.09

Polizei räumt Haus in Heidelberger Straße

Mit der Räumung und Anzeigen wegen Hausfriedensbruchs und Sachbeschädigung endete am Samstagabend die Besetzung des Hauses Heidelberger Straße 148. Zuvor hatte die Polizei die 28 jungen Leute, die in der Nacht zum Samstag das leerstehende Gebäude in der Nähe der Radrennbahn in Beschlag genommen hatten, aus dem Haus ins Polizeipräsidium gebracht. Mit der Aktion wollten die Hausbesetzer vor allem auf den Wohnungsleerstand in der Stadt aufmerksam machen, »neuen Wohnraum erschließen, einen Raum für alternative Kultur und politische Arbeit schaffen«, wie sie in ihrem Internet-Blog schreiben. (mehr…)