Einige Bemerkungen zum Artikel im Darmstädter Echo vom 20.7.2011

Richtig wiedergegeben wurde, dass es dem Aktionsbündnis um mehr als nur Räumlichkeiten geht, die Besetzungen in einen gesamtgesellschaftlichen Kontext gesetzt werden müssen, grundlegende Kritik an eben diesem transportieren sollen. Dabei ist es uns wichtig, noch einmal explizit auf den Inhalt dieser Kritik hinzuweisen.

Die Verfügung über kostenlosen Wohnraum ist dabei nicht alleiniges Ziel, sondern lediglich ein Teilaspekt, an dem sich eine Gesellschaft messen lassen muss, in der rein technisch die Möglichkeiten zur ausreichenden Versorgung Aller längst keine Probleme mehr bereiten würden. Dem steht in erster Linie die Warenförmigkeit aller Lebens- und Produktionsmittel entgegen, sprich: der Zwang, bei der Schaffung von Gütern noch das letzte Quäntchen verwertbar zu machen. Dies bedeutet in aller Konsequenz auch immer wieder, dass sich Verwertbarkeit auch gegen menschliche Bedürfnisse durchsetzen muss, falls diese nicht über genügend Kaufkraft verfügen, um am gesellschaftlichen Reichtum teilzuhaben. Und in Zeiten zunehmender Technisierung, in der die Massenproduktion sowohl Güter durch reinen Überfluss nicht mehr absetzbar macht, andererseits in immer größerem Maße die menschliche Arbeitskraft überflüssig wird, ist eben jene Kaufkraft oft genug objektiv für größte Teile der Bevölkerung nicht erreichbar. Die Kritik setzt hier jedoch nicht bei der Verteilung der Waren und Dienstleistungen an (billigen Wohnraum gab es auch unter Franco..), sondern am elementaren Wesen von Gesellschaftlichkeit, also dem Zusammenleben und -produzieren im Jetzt. Diese bringen durch den Warencharakter neben Verwertungszwang und Konkurrenz der Lohnarbeiter auch noch eine notwendige Verschleierung dessen mit sich, was die Beziehungen zwischen den Menschen ausmacht: Alles wird als notwendigerweise unter der Kontrolle der Dinge stehend begriffen, die den Austausch im Kapitalismus auch tatsächlich bestimmen. Dabei wird nun der Mensch im Alltagsbewusstsein zu dem Spielball (oder besser: Arbeitskraftreservoir) einer außerhalb seines Einflusses stehenden Gesamtheit gemacht, die er eigentlich selbst – unbewusst – durch das Zusammenwirken Aller selbst schafft. Auch der spezifisch historische Charakter der Verhältnisse wird dann ausgeblendet, die eben nicht so notwendig und natürlich sind, wie sie erscheinen mögen.
Neben der von Menschen, die nichts Anderes kennen, noch anders können, „selbstfabrizierten“ ungemütlichen Lage, geschieht dies alles nicht reibungslos, die oben angesprochenen Widersprüche zwischen Menschen und Sachzwängen der Produktionsordnung machen eine Instanz erforderlich, die zumindest dann eingreift, wenn die Produktion an ihren Gegensätzlichkeiten zu zerbrechen droht. Der Staat setzt hier ein, als vom Erfolg des Wirtschaftens in seinem Einflussbereich abhängig, sodass er dieses reibungslos zu ermöglichen sucht.

Ein Arm dieses Staatsapparates tritt uns nun in Form der Stadt entgegen, als Verhandlungspartner, der nicht so kann wie wir wollen, ohne sich selbst zu verunmöglichen. Wir sind uns auch bewusst, dass es nicht möglich wäre, die oben kritisierten Verwertungsgrundlagen einfach weg zu verhandeln. So bleibt der Versuch, über die Aneignung oder Nutzung von Raum in unserem Sinne, zum einen die Kritik zu verbreiten, im öffentlichen Diskurs Denkmuster in Stellung zu bringen, die das bestehende Hauen-und-Stechen nicht weiter tragen wollen, und anderseits für uns selbst die Voraussetzungen zu bieten, weiter zu stören, einen Freiraum zu schaffen, der eine Ahnung von der Macht kollektiver Praxis geben kann.
Was wir wollen ist die scheinbar zementierten Verhältnisse aufbrechen, die Möglichkeit eines anderen Lebens ins Bewusstsein tragen, schließlich dem Unbehagen über den Normalzustand ein kommunistisches Begehren anbieten.