Echo-Artikel: „Hausbesetzer beantworten Offenen Brief der Stadt“

Gesprächsbereitschaft trotz Skepsis – Voraussetzung ist allerdings die Rücknahme der Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung

Wie bereits angekündigt, haben die Besetzer eines städtischen leerstehenden Asylbewerberheims in der Heidelberger Straße Freitagnacht den Offenen Brief der Stadt beantwortet. Darin üben sie zum einen grundsätzlich Kritik am Kapitalismus, räumen aber ein, dass sie »zumindest vorerst« mit den gegebenen Verhältnissen leben müssten und deswegen doch gesprächsbereit seien – auch, wenn sie sich von diesem Gespräch »ziemlich wenig« erhofften.

Sie schreiben, demnächst Nutzungskonzepte nicht nur für das Gebäude in der Heidelberger Straße, sondern auch für das im Juni besetzte Haus in der Neckarstraße 5 vorlegen zu wollen. Dies könne »als Grundlage für ein Angebot eines Ersatzobjektes dienen«. Allerdings sei die Voraussetzung für eine weitere Zusammenarbeit die bedingungslose Rücknahme der Strafanzeigen wegen Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung, die die beiden Dezernenten Jochen Partsch und Dieter Wenzel am vergangenen Samstag gestellt hatten: Grundlage für die Räumung des Hauses durch die Polizei.

Wie berichtet, hatten Sozialdezernent Partsch und Bau- und Ordnungsdezernent Wenzel in dem Offenen Brief angeboten, die Gruppe könne sich mit einem Konzept an dem »bürgerschaftlichen und planerischen Prozess zur Nutzung und Schaffung von neuem Wohnraum einbringen«. Dann sei die Stadt bereit, »die Anzeigen gegen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Hausbesetzung und eine weitere Strafverfolgung von unserer Seite aus zurückzuziehen«. Die Duldung einer Besetzung sei »ungerecht gegenüber den geplanten Wohnprojekten in Darmstadt«.

Den Besetzern dauert dieser Planungsprozess zu lange. »Zudem sehen wir nicht ein, wieso wir mit den anderen Initiativen in Konkurrenz treten sollten, besonders dann nicht, wenn es auch andere Gebäude außerhalb der Konversionsflächen gibt, in denen wir unser Projekt ebenso gut verwirklichen könnten«, heißt es in der Antwort.